Drei Jahre Hatespeech Beratungsstelle elly in Thüringen: Hass im Netz ist kein digitales
Randphänomen
Seit drei Jahren unterstützt elly – Beratungsstelle für Betroffene von Hatespeech in Thüringen – Menschen, die digital angegriffen, bedroht, eingeschüchtert oder öffentlich markiert werden. Zum dreijährigen Bestehen macht die Beratungsstelle auf die die häufig unterschätzte Realität aufmerksam: Hass im Netz endet nicht am Bildschirm. Digitale Angriffe wirken häufig in den Alltag, erzeugen lokale und reale Bedrohungslagen für Betroffene und drängen Menschen aus öffentlichen Debatten. Wer online angegriffen wird, verliert nicht selten Sicherheit, Sichtbarkeit und politische Teilhabe.
Besonders deutlich zeigt sich das bei Menschen, die sich politisch, zivilgesellschaftlich oder gegen rechte Ideologien engagieren, sowie bei Personen, die aufgrund von Rassismus, Queerfeindlichkeit, Antifeminismus, Antisemitismus oder anderen menschenfeindlichen Motiven angegriffen werden. Sie erleben Shitstorms, private Drohungen, entwürdigende Kommentare, das Veröffentlichen oder Andeuten persönlicher Informationen sowie die Weiterverbreitung von Inhalten in rechten Telegram- oder Facebook-Gruppen. Seit dem sogenannten Superwahljahr 2024 erreichen elly immer wieder Beratungsanfragen und Vorfallsmeldungen, die im Zusammenhang mit politischem Engagement stehen.
„Hass im Netz ist längst kein rein digitales Phänomen mehr. Für viele Betroffene ist er eine reale Bedrohung, die
in den Alltag hineinwirkt: in das Sicherheitsgefühl, in Beziehungen, in politische Teilhabe und in die Frage, ob
Menschen sich weiterhin öffentlich äußern oder engagieren. Gerade in Thüringen sehen wir, dass digitale Angriffe häufig nicht isoliert stehen, sondern mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen, rechten Mobilisierungen und konkreten Bedrohungslagen vor Ort zusammenhängen.“
sagt Berna Uluçay, Projektleiterin von elly. Seit der Eröffnung im Juni 2023 hat elly thüringenweit niedrigschwellige, mobile, digitale und persönliche Beratungsstrukturen aufgebaut. Die Beratungsstelle unterstützt Betroffene durch Krisenintervention und Beratung unter anderem bei psychosozialen Belastungen, bei der Einschätzung von Vorfällen, bei Beweissicherung, Meldung und Anzeige, bei Fragen zu Plattformen und rechtlichen Möglichkeiten sowie bei der Vermittlung an weitere Unterstützungsangebote. Allein 2025 hat elly mehr als 350 Unterstützungsleistungen geleistet und durch Beratung, Fach- und Sensibilisierungsformate mehr als 300 Menschen erreicht.
Für Betroffene macht es einen großen Unterschied, ob ein Hasskommentar öffentlich stehen bleibt, private Daten verbreitet werden oder Inhalte in rechten geschlossenen Gruppen kursieren. Digitale Bedrohungen können konkrete Ängste auslösen: Wer kennt meinen Wohnort? Wer weiß von meiner Familie? Wem begegne ich im Alltag? Die Beratungsstelle betont deshalb, dass digitale Gewalt im Kontext rechter Gewalt und realer Einschüchterung ernst genommen werden muss.
Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier:


